{"id":596,"date":"2018-08-30T23:36:05","date_gmt":"2018-08-30T21:36:05","guid":{"rendered":"http:\/\/freieroffensive.de\/?p=596"},"modified":"2019-06-27T06:38:09","modified_gmt":"2019-06-27T04:38:09","slug":"brief-an-a-schwarzer-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freieroffensive.de\/index.php\/2018\/08\/30\/brief-an-a-schwarzer-2012\/","title":{"rendered":"Brief an A. Schwarzer"},"content":{"rendered":"<p class=\"font_3\">Sehr geehrte Frau Schwarzer,<\/p>\n<p>in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wettern und zetern Sie zur besten Sendezeit \u00fcber M\u00e4nner, die f\u00fcr Sex bezahlen. Am liebsten w\u00fcrden Sie uns verhaften und in ein kaltes feuchtes Loch stecken. Wir Freier erkennen uns in Ihren Tiraden nicht wieder. Eine Autorin Ihrer Zeitschrift EMMA fragt sogar: \u201e&#8230;das Gewissen. Wo wird das eigentlich abgestellt, w\u00e4hrend der eigene Schwanz im Leib der Frau w\u00fctet?\u201c In der aktuellen Debatte um Paysex werden aktive Sexarbeiterinnen kaum geh\u00f6rt. Und die sogenannten Freier melden sich nicht zu Wort. In Ihrer Kampagne gegen Sex als bezahlte Dienstleistung diabolisieren Sie die Kunden von Sexarbeiterinnen und fordern sogar ihre Kriminalisierung. Um Ihrer schlechten Meinung \u00fcber uns &#8211; M\u00e4nner, die f\u00fcr Sex bezahlen &#8211; etwas entgegenzusetzen, widmen wir Ihnen die folgenden 13 Punkte und drei kurze Fragen:<\/p>\n<p>1)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bevor wir zum Paysex gehen, duschen wir und schneiden uns die N\u00e4gel. Respekt ist oberstes Gebot, nicht nur, weil wir wissen, dass der Wald so heraus-, wie man in ihn hineinruft, sondern auch einfach, weil wir die meisten M\u00e4dels m\u00f6gen. Eine weitere Regel ist: verlieb dich nicht in eine Hure, und andersrum bei den Damen: verlieb dich nicht in einen Freier. Die allermeisten halten sich dran. Telefonnummern tauschen wir gerne mit unseren Lieblingswanderhuren. Und sie mit uns. Sie ziehen von Stadt zu Stadt und von Wohnung zu Wohnung. Wenn sie wieder in unserer Region sind, schicken sie uns eine Nachricht und freuen sich auf unseren Besuch. Nein, wir denken nicht, dass sie sich freuen, weil wir so sexy sind. Wir wissen, dass Geld sexy macht. Aber auch ein(e) Barkeeper(in) oder ein(e) Taxifahrer(in) tut ihren Job nicht wegen der netten Klienten. Trotzdem freuen sich fast alle Dienstleister\/innen \u00fcber angenehme Kunden.<\/p>\n<p>2)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Blasen, Ficken, Quatschen, K\u00fcsschen links und K\u00fcsschen rechts, \u201ees war sch\u00f6n, bis zum n\u00e4chsten Mal\u201c. Wir verlassen den Tatort mit einem Lied auf den Lippen, aber wir sind keine Vergewaltiger. Unsere Umgebung profitiert von unserer guten Laune, die einige Tage anhalten kann. Die meisten Frauen sind aus L\u00e4ndern mit hoher Armut, aber auch deutsche Hausfrauen und Studentinnen \u201eschaffen an\u201c. Unterhaltungen werden auf Deutsch, Englisch, Spanisch, oder in anderen Sprachen, und in K\u00f6rpersprache gef\u00fchrt. In der landl\u00e4ufigen Vorstellung vom Freier gibt es zwei Typen: der eine, der nur \u201edas Eine\u201c will, und der andere, der nur reden will. Weit gefehlt. Wir wollen alles. Der AST (After Sex Talk) ist angenehm und anregend. Fast alle Frauen, die wir kennenlernen, sind selbstbewusst, stolz und interessant. Jeder von uns kann von Highlights berichten: Herrliche Erlebnisse mit himmlischen Frauen. Einige w\u00fcrden wir auf der Stelle weg heiraten oder h\u00e4tten sie gerne als Freundinnen f\u00fcr immer an unserer Seite. Und halten Sie uns bitte nicht f\u00fcr bl\u00f6d. Paysex ist zwar ein bezahltes Spiel. Trotzdem wissen wir, wen wir vor uns haben.<\/p>\n<p>3)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Genau besehen haben weder Frauen noch Freier ein Problem mit der Moral. Es ist winwin. Die einen brauchen Geld, die anderen brauchen Sex. Das ist ein Gesch\u00e4ft, und kein Zwang: weder zwingen wir den Frauen unser Interesse auf, noch vice versa. Die ungl\u00fcckliche Verbindung von Macht und Sex haben wir anderswo kennengelernt. Mit oder ohne Fingerring haben wir \u2013 in vielerlei Form &#8211; beim korrekten Beziehungssex oft mehr bezahlt als bei der gekauften Liebe. Nein, wir sind auch keine Beziehungs-looser, im Gegenteil. Aber es gef\u00e4llt uns einfach, gut zu poppen. Was Paysex attraktiv macht, ist die Klarheit der Vereinbarung, die Augenh\u00f6he, die Abwesenheit von Macht. Sie werden nun sagen, das Geld sei die Macht. Richtig, Sex in Warenform und ein k\u00fchles Bier haben eines gemeinsam: Beides muss bezahlt werden. Doch in Laufh\u00e4usern, Clubs und Apartments treffen nicht machtgeile M\u00e4nner auf \u201egefallene\u201c Frauen, sondern erwachsene Alltagsmenschen unterschiedlicher Herkunft gehen eine Gesch\u00e4ftsbeziehung ein. Und ob Sie es glauben oder nicht, in den Etablissements geht es meistens heiter bis lustig zu; eine dumme Welt voll harter Gegens\u00e4tze l\u00e4sst sich eben nur mit etwas Witz ertragen.<\/p>\n<p>4)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wichtig ist: Wir sind nicht die Minderheit, sondern wir sind Mehrheit, wir sind Millionen. Nat\u00fcrlich sind wir nicht alle Edelfreier, sondern auch Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger, Optikficker, Pornorammler, Romantiker, Exzentriker, Cowboys, Naturburschen, Liebeskasper,&nbsp;Mutters\u00f6hnchen, gro\u00dfe, kleine, naive, doofe, eingebildete, intelligente und gebildete Freier \u2013 um nur einige Typen zu nennen; einige SDLs (Sexdienstleisterinnen) bieten ihren Service auch f\u00fcr Frauen, Paare, und M\u00e4nner und Frauen mit Behinderung an. Fast alle Freier werden best\u00e4tigen, dass gegenseitiger Respekt zwischen Kunde und SDL Voraussetzung und Grundlage des gekauften Aktes sind. Dieser ist f\u00fcr uns &#8211; Frauen und Freier &#8211; nicht die h\u00f6chste Form der Liebe, sondern Massage, mit Illusion, auf Zeit, mit Happy End. Wir wissen, dass die Arbeit als SDL hart sein kann. Umso mehr sch\u00e4tzen wir, wenn die Damen guter Laune sind. Wenn unser Geldbeutel es erlaubt, geben wir mehr als vereinbart. Safe sex gibt es nicht, daf\u00fcr Regeln f\u00fcr safer sex. Wer diese nicht befolgt \u2013 egal ob M\u00e4nner oder Frauen -, bringt andere in Gefahr und geh\u00f6rt unserer Meinung nach strafverfolgt.<\/p>\n<p>5)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und halten Sie die Frauen nicht f\u00fcr bl\u00f6d, auch sie wissen \u00fcber uns sehr gut Bescheid. Sexarbeiterinnen sind nicht nur edle Frauen, sondern Freundin, Kumpel, Mutter, Domina, dicke, d\u00fcnne, laute, leise, strenge, harte, liebe, freche, naive, ausgebuffte, zornige, doofe, eingebildete, intelligente und gebildete Huren \u2013 um nur einige Typen zu nennen. Viele haben es faustdick hinter den Ohren. Anders w\u00fcrden sie garnicht durchkommen, vor allem wenn sie in deutschen Landen nicht zu Hause sind. Auch Huren haben Berufsehre, und es soll welche geben, die gelegentlich ihren Spa\u00df mit Kunden haben, zum Beispiel mit Stammkunden, die sie gut leiden k\u00f6nnen. Freier und Huren ergeben eine facettenreiche Vielfalt von Kombinationen. Ob die \u201eChemie stimmt\u201c, entscheidet sich jedes Mal neu. Im Zentrum des Stelldicheins stehen dann recht einheitlich die \u201e11 Minuten\u201c, die Paul Coelho zum Titel seines kitschigen Bestsellers \u00fcber Prostitution machte.<\/p>\n<p>6)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wir wissen, dass mit unserem Geld ganze Familien in Rum\u00e4nien, Bulgarien oder in der Karibik ern\u00e4hrt werden. Oder das Studium wird finanziert, in Polen, Ungarn oder Deutschland. Wir halten uns nicht f\u00fcr gute Menschen, aber schlecht kann das nicht sein. Manche erz\u00e4hlen uns von zu Hause, von Familie und von Kindern. Das Leben ohne Geld treibt sie in die Geldmetropolen. Zugegeben, einige M\u00e4dels tragen das Verdiente wohl einem Taugenichts hinterher. Es ist jedoch nicht Prostitution, wenn eine Frau arbeitet und ein Mann schmarotzt. Man nennt diese Art von Arbeitsteilung Patriarchat. Wir paternalisieren die Frauen nicht, indem wir ihnen ungefragt Ratschl\u00e4ge geben, was gut oder schlecht f\u00fcr sie w\u00e4re.<\/p>\n<p>7)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zwangsprostitution und Menschenhandel sind eine andere Angelegenheit; es ist der Tatbestand der Vergewaltigung. Wer Frauen bedroht, verletzt, oder sie verkauft, soll eingesperrt werden. Wir wissen wohl, dass es Freier gibt, die sich an echter Brutalit\u00e4t oder mit Minderj\u00e4hrigen aufgeilen. Wir sind jederzeit bereit, die Schweine anzuzeigen. Wenn wir selbst kriminalisiert werden, ist das nicht mehr m\u00f6glich. Je weniger die bezahlte Sexdienstleistung ge\u00e4chtet ist, umso weniger Raum haben Menschenh\u00e4ndler, sich in diesem Milieu zu tummeln; gigantische Gewinnmargen f\u00fcr mafi\u00f6se Banden sind nur in illegalen Gesellschaftssegmenten m\u00f6glich. Dem entsprechen die aktuellen Zahlen: Die F\u00e4lle von Menschenhandel sind laut BKA seit Einf\u00fchrung des neuen Prostitutionsgesetzes r\u00fcckl\u00e4ufig. Reflexartig nennen Sie, Frau Schwarzer, diese Zahlen \u201enur die Spitze des Eisberges\u201c und verweisen auf eine geheimnisvoll ansteigende \u201eDunkelziffer\u201c. Belege haben Sie nicht. Und selbst Wikipedia wei\u00df, dass dem Terminus Zwangsprostitution &#8222;entgegengehalten wird, dass er strukturelle Probleme von Migration und Wohlstandsgef\u00e4lle in T\u00e4ter-Opfer-Schemata zu pressen versucht&#8220;. Nicht nachpr\u00fcfbare Horrorzahlen zum Menschenhandel werden meistens benutzt, um gegen Armutsmigration Stimmung zu machen.<\/p>\n<p>8)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Gewinn der Unternehmer ist der Zweck der freien Marktwirtschaft. Deshalb gehen wir davon aus, dass Bordellbesitzer sich an uns eine goldene Nase verdienen. Trotzdem nehmen die Frauen aus Osteuropa in den Puffs der erfolgreichsten europ\u00e4ischen Wirtschaftsnation noch ein Vielfaches von dem ein, was ihre M\u00e4nner auf deutschen Gro\u00dfbaustellen erarbeiten k\u00f6nnen. Sonst w\u00fcrden sie den Job ja nicht machen. Der global durchgesetzte Konkurrenzkampf macht sie zu Verlierern und Verliererinnen in ihren Herkunftsl\u00e4ndern. Deshalb versuchen die Frauen hier an unser wertvolles Geld zu kommen. Was wir ihnen gerne geben. Besonders wenn wir entspannt und zufrieden nach Hause gehen. Dann wissen wir, dass der Betrag gut angelegt war. Zu unserer Begeisterung ist dies fast immer der Fall. Wir wissen wohl, dass wir Nutznie\u00dfer dieser weltweiten Wirtschaftsordnung sind. Allerdings sind wir nicht die Verursacher. Nebenbei bemerkt geh\u00f6ren wir auch nicht zur rasant ansteigenden Zahl deutscher Million\u00e4re und Multimillion\u00e4re. Von Konsumboykott halten wir nichts: das bringt weder den Frauen noch uns einen Vorteil.<\/p>\n<p>9)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sie, Frau Schwarzer, malen ein v\u00f6llig anderes Bild vom Milieu der Sexdienstleistungen. Sodom und Gomorrha und der Vorraum zur Unterwelt dienen Ihnen als Matrix ihrer publikumswirksamen Assoziationen. Das eingangs erw\u00e4hnte Zitat der EMMA-Autorin, einer katholischen Sozialarbeiterin aus S\u00fcddeutschland, erinnert an mittelalterliche Folter durch Pf\u00e4hlung, nicht an bezahltes Liebesspiel; wir vermuten \u00fcbrigens, dass die Verfasserin an dieser Stelle ihre sexuellen Gewaltphantasien nicht mehr zur\u00fcckhalten konnte. Die Dame gilt beim Deutschen Bundestag als \u201eExpertin zur Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels und der \u00dcberwachung von Prostitutionsst\u00e4tten\u201c. Ihr ist nicht fremd, was auch Freier wissen: \u201eIn aller Regel arbeiten die Frauen f\u00fcr ihre Familien und schicken ihren gesamten Prostitutionserwerb nach Hause. Viele der Frauen sind nicht alleine hier.&nbsp;Sie werden begleitet von Br\u00fcdern, Cousins, von ihren Ehem\u00e4nnern, von ihren V\u00e4tern&#8230; Jeder Cent wird gespart und nach Hause geschickt&#8230; So kommt die typische Prostituierte aus Osteuropa, ist Anfang 20 und hat zwei oder drei Kinder im Heimatland\u201c (Sabine Constabel vor dem Dt. Bundestag, Juni 2013).<\/p>\n<p>10)&nbsp; Wir wissen, dass Mut dazugeh\u00f6rt, irgendwo in Rum\u00e4nien die Koffer zu packen, um in einem fremden Land Geld an fremden M\u00e4nnern zu verdienen. Nicht wenige der Frauen haben eine Ausbildung, es gibt auch Akademikerinnen. Uns erz\u00e4hlen sie, dass es sich in ihrer Heimat l\u00e4ngst herumgesprochen hat, wie frau in Deutschland Geld verdienen kann. Viele &#8211; bei weitem nicht alle &#8211; kommen im Familienbetrieb hierher, aber ohne mit der Pistole am Kopf gezwungen zu werden. Andere organisieren unabh\u00e4ngige &nbsp;Fahrgemeinschaften oder pendeln in Linienfl\u00fcgen. Wenn S. Constabel behauptet, die Frauen w\u00fcssten nicht, worauf sie sich einlassen, gr\u00fcndet sie diese Einsch\u00e4tzung auf ihre langj\u00e4hrige Arbeit in der Altstadt Stuttgarts, vor allem vom Stra\u00dfenstrich. Sie vergisst, dass den von ihr betreuten Klientinnen sehr wohl bekannt ist, dass sie Sozialarbeiterin ist und- wie andere Dienstleister\/innen auch \u2013 ihre Arbeit nicht aus altruistischen Gr\u00fcnden tut. Zudem sind typische Helfernaturen stets in einer weltanschaulichen Mission unterwegs. \u00dcberall auf der Welt, wo arm auf reich trifft, erz\u00e4hlen deshalb die Mittellosen ihren professionellen Freunden genau das, was diese h\u00f6ren wollen. Alles andere w\u00e4re f\u00fcr die Bittstellerin auch wenig nutzbringend. Das Gespr\u00e4ch der (bezahlten) Helferin mit der hilfsbed\u00fcrftigen Hure ist kein herrschaftsfreier Dialog.<\/p>\n<p>11)&nbsp; Sie, Frau Schwarzer, als auch ihre scheinheilige Sozialarbeiterin, sind ein Ausbund an Heuchelei. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist die Kriminalisierung der Freier und das Verbot der Prostitution. Sie geben sich dabei als Freundinnen und Helferinnen der Prostituierten aus.&nbsp;Auch wenn Sie mit der von Ihnen angestrebten Repression Menschenhandel und Zwangsprostitution f\u00f6rdern w\u00fcrden. Sie wollen die Sexarbeit abschaffen, indem sie den Sexarbeiterinnen die Einnahmequelle nehmen, und erkl\u00e4ren dies zu einer Schutzma\u00dfnahme f\u00fcr die Sexarbeiterinnen. Eine seltsame und absurde Logik. Haben Sie die Betroffenen denn gefragt? Solange Sie nicht in der Lage sind, allen SDLs, die in Deutschland arbeiten, einen Arbeitsplatz als Chefredakteurin zu vermitteln, nehmen wir Ihnen nicht ab, dass Sie es ehrlich meinen. Da von vorneherein klar ist, dass sie das weder wollen noch k\u00f6nnen, ist die Funktionalisierung der Frauen eine verachtenswerte Angelegenheit. Wir selbst w\u00fcnschen jeder unserer Freundinnen auf Zeit viel Gl\u00fcck und Erfolg, wenn sie sich woanders nach einem Job umsehen.<\/p>\n<p>12)&nbsp; In Ihrem Kreuzzug gegen Sex als Dienstleistung basteln Sie flei\u00dfig am \u00f6ffentlichen Antiprostitutionsdiskurs. Ein wesentlicher Baustein dieses Diskurses gegen die bezahlte Sexdienstleistung ist die systematische Gleichsetzung von Zwangsprostitution mit freiwilligem Sex f\u00fcr Geld: Bezahlter Sex soll sich als Metapher f\u00fcr Gewalt und Ausbeutung ins Hirn der B\u00fcrger einbrennen. Sie wollen erreichen, dass Frauen, die wegen der vergleichsweise guten Verdienstm\u00f6glichkeiten daf\u00fcr entscheiden, in diesem Gewerbe zu arbeiten, pauschal zu Vergewaltigungsopfern stigmatisiert werden. Das ist gequirlter Quatsch mit So\u00dfe. Sie entm\u00fcndigen die Frauen, die die Preise aufrufen, und verteufeln die M\u00e4nner, die sie buchen. Wir stellen einen wesentlichen Teil der Bev\u00f6lkerung. Seltsam ist, dass weder Freier noch Huren in Ihre vermeintliche Hilfsaktion miteinbezogen werden. Warum Sie das nicht tun, ist klar. Das geliebte Klischee von T\u00e4ter und Opfer w\u00fcrde wanken, wenn ein repr\u00e4sentativer Querschnitt der Betroffenen zu Wort kommen w\u00fcrde. Das Ziel Ihrer Kampagne, ein Klima der Verunglimpfung und Verleumdung zu schaffen, w\u00fcrde Schaden nehmen. Flankiert werden Ihre Bem\u00fchungen von engagierten Tatortkommissar\/innen und den reaktion\u00e4rsten Kardin\u00e4len, die die katholische Kirche zu bieten hat.<\/p>\n<p>13)&nbsp; Bei der Analyse Ihrer Text- und Wortbeitr\u00e4ge f\u00e4llt auf, dass Sie vors\u00e4tzlich direkten Zwang&nbsp;und die Gewalt der Armut durcheinanderwerfen. Dazu werden anr\u00fchrende Anekdoten aus der Sozialarbeiterklientel der Rotlichtviertel erz\u00e4hlt. Meist sind sie vom Stra\u00dfenstrich, einem Teil des Sexgewerbes, der nicht repr\u00e4sentativ ist. Sicher sind die Beispiele wahr, aber nicht einmal f\u00fcr den Stra\u00dfenstrich charakteristisch. Das publizistische Produkt Ihrer Arbeit liegt unter Bildzeitungsniveau und hat weder mit den Lebenswelten der Sexarbeiterinnen, noch mit der Wirklichkeit in Bordellen, Clubs und Laufh\u00e4usern, noch mit der Einstellung normaler Freier zu Frauen zu tun. Wir wissen, dass jede irgendwie ihr Geld verdienen muss. Sie tun es, indem Sie ein absichtlich verzerrtes, aber rei\u00dferisches Bild vom Sexgewerbe verkaufen. Es geht Ihnen nicht um die Abw\u00e4gung von Argumenten zum Vorteil ausgebeuteter Frauen, sondern ihr Ziel ist die gewaltsame Ausmerzung einer jahrtausendealten Interaktion der Geschlechter. Diese ist in Deutschland momentan nicht verboten und passt nicht in Ihr bigottes Weltbild. Wir sind ganz auf Ihrer Seite gegen Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Menschenhandel. Aber wir halten Ihre Hetze gegen die bezahlte Sexdienstleistung f\u00fcr kontraproduktiv, langweilig, uralt, verlogen, und gef\u00e4hrlich. Bezahlter Sex ist nicht entw\u00fcrdigend f\u00fcr Frauen, und es ist keine Schande f\u00fcr M\u00e4nner, f\u00fcr Sex zu bezahlen.<\/p>\n<p>Drei Fragen an Frau Schwarzer:<\/p>\n<p>1)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum soll Sex denn keine Ware sein? (Wenn schon das Essen, das wir essen, und das Wasser, das wir trinken, Ware ist. Anders als Sex sind Essen und Trinken sogar prim\u00e4re Bed\u00fcrfnisse. Und da soll Sex kostenlos sein? Nur die Luft zum Atmen ist (noch) kostenlos.)<\/p>\n<p>2)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum sollte eine erwachsene Frau nicht die Gelegenheit ergreifen d\u00fcrfen, binnen drei Tagen zu verdienen, was sie in ihrem Heimatland in drei Monaten nicht verdienen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>3)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum kann Frau Schwarzer sich Frauen immer nur als Opfer, und M\u00e4nner nur als (\u00dcbel)t\u00e4ter vorstellen?<\/p>\n<p>Wir freuen uns, wenn Frau Maischberger und Herr Jauch zur n\u00e4chsten Show mit Frau Schwarzer auch wortstarke Freier einladen. Wir rufen alle sogenannten Freier dazu auf, Frau Schwarzers Schmutzpropaganda offensiv zu widersprechen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nManuel K\u00f6hler, Patrick Maurer, Daniel M\u00fcller, Thomas Schuster, Martin Weber<\/p>\n<p>P.S.: Die Inhalte dieses Internetangebots k\u00f6nnen jederzeit verlinkt, verschickt, teilweise oder ganz abgedruckt, oder \u00fcbersetzt werden. Die kommerzielle Nutzung ist nicht erlaubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Schwarzer, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wettern und zetern Sie zur besten Sendezeit \u00fcber M\u00e4nner, die f\u00fcr Sex bezahlen. Am liebsten w\u00fcrden Sie uns verhaften und in ein kaltes feuchtes Loch stecken. Wir Freier erkennen uns in Ihren Tiraden nicht wieder. 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